Dienstag, 23. Mai 2017

Der Liberal-Islamische Bund (LIB): Charta des LIB und Erklärung zur "Homo-Ehe" (aktualisiert)

    
Zum 23.05.2017, dem Geburtstag des Grundgesetzes, verabschiedet der LIB e.V. seine Charta:



Im Namen des barmherzigen

 und gnädigen Gottes

Charta des Liberal-Islamischen Bundes 
(„LIB-Charta“)

Präambel

Im Bewusstsein der Verantwortung vor Gott und der Verpflichtung, Ihm und mithin Seiner Schöpfung durch den Einsatz für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft zu dienen, ergeht diese Erklärung. Der freiheitliche, säkulare Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann. Das heißt, er ist auf die ethische Prägekraft seiner Bevölkerung angewiesen, um eine am Gemeinwohl orientierte Politik verwirklichen zu können. Wir als muslimische Bürgerinnen und Bürger dieses Staates möchten insbesondere aus unserer Glaubens-Überzeugung heraus zur Stützung und Förderung eines solchen Ethos beitragen und tun dies in der Hoffnung, dabei sowohl in die muslimische Gemeinschaft als auch in die Mehrheitsgesellschaft hinein einen Impuls zu setzen.

Wir bekennen uns uneingeschränkt zu den im Grundgesetz und in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEMR) niedergelegten Werten. Bisherige Menschenrechtserklärungen seitens muslimischer Staaten oder Gruppen zeichnen sich oft dadurch aus, dass entweder die Menschenrechte unter einen „Scharia-Vorbehalt“ gestellt werden oder aber „die Scharia“ unter einen „AEMR-Vorbehalt“, was dem Einsatz für Menschenrechte nicht förderlich ist. Denn hier- durch wird ein vermeintlicher Widerspruch zwischen den Menschenrechten und der Scharia suggeriert, was nach unserem Verständnis der Scharia jedoch nicht der Fall ist: Wir begreifen die Scharia nicht als rechtliches Regelwerk, sondern als (individuellen) ethischen Leitfaden ei- ner jeden Gläubigen und eines jeden Gläubigen. Basierend auf diesem Verständnis ist Sinn und Zweck der Scharia unserer Auffassung zufolge, am Gemeinwohl (maṣlaḥa ʿāmma) orientierte Zustände herzustellen. Dieses Verständnis der Scharia, deren Inhalte immer das Ergebnis menschlicher Interpretationen sind, teilen wir mit zeitgenössischen Reformtheologinnen und Reformtheologen.

Was das Herstellen gemeinwohlorientierter Zustände im Konkreten bedeutet, muss jede Generation für ihren historischen Kontext von Neuem ermitteln: So enthält der Koran nur wenige konkrete juristische Regelungen, die zudem durch den historischen Kontext des 7. Jahrhunderts bedingt sind. Gleichzeitig enthält er überzeitliche Gebote (wie z.B. das der Achtung der Menschenwürde, Koran 17:70). Da diese überzeitlichen Gebote auch für das 7. Jahrhundert gelten, sind zum einen die historisch bedingten Verse im Lichte der überzeitlichen Gebote auszulegen – das heißt: Jede Auslegung, die z.B. dem Gebot der Achtung der Menschenwürde widerspricht, kann nicht stimmen, da der Koran sonst selbst-widersprüchlich wäre (vgl. Koran 4:82). Zum anderen gibt der Koran mit den überzeitlichen Geboten jeder (späteren) Generation Leitlinien an die Hand, um mithilfe der ihr zur Verfügung stehenden Erkenntnisse und Mittel für ihren jeweiligen historischen Kontext zu eruieren, wie sie diese überzeitlichen Gebote in ihrem jeweiligen historischen Kontext am besten zur Verwirklichung bringen kann.

Es gibt Musliminnen und Muslime, die mit Verweis auf „die Scharia“ auch heute die Todesstrafe, Körperstrafen, die Ungleichbehandlung der Frau und vieles mehr rechtfertigen bzw. begründen. Jedoch ist die Scharia stets ein hochflexibles, für historische Gegebenheiten und Menschheitser- fahrungen bzw. Erkenntnisfortschritte offenes, d.h. diese bei der Auslegung berücksichtigendes System gewesen. Die Menschenrechte sind das Ergebnis jahrtausendelanger kollektiver historischer Menschheitserfahrung, die der kritischen Gegenprüfung durch die Vernunft und die Menschheitsgeschichte standhalten. Sie sind daher als Bestandteil der Scharia anzusehen und nicht als etwas „Externes“, das evtl. im Widerspruch zu ihr stehen könnte.

Mit dieser Erklärung soll das politisch-juristische Wertefundament für unser Wirken konzis formuliert werden. Eine detailliertere Ausführung dieser Gedanken bleibt weiteren separaten, ausführlicheren Stellungnahmen vorbehalten.

1. Die Würde des Menschen ist unantastbar
Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren ...

Bitte lesen Sie hier weiter (PDF-Datei)
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Pressemitteilung zur „Homo-Ehe“ , 16.05.2017

Im Zuge der sich intensivierenden politischen und gesellschaftlichen Diskussion zum Thema „Homo-Ehe“ und anlässlich des morgigen Internationalen Tages gegen Homophobie erklärt der Liberal-Islamische Bund, dass er das Recht auf Ehe für Homosexuelle befürwortet und sich entschieden gegen die Diskriminierung von homosexuellen Paaren ausspricht.

Der Liberal-Islamische Bund setzt sich seit seiner Gründung theologisch für eine vollwertige Akzeptanz, Gleichberechtigung und Inklusion von Homosexuellen ein“, so Nushin Atmaca,Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes. „Grundlage für Partnerschaft ist im Islam die Liebe sowie eine Beziehung auf Augenhöhe, in der sich beide Beteiligten als Subjekte begegnen und ihrer Verantwortung und Pflichten einander gegenüber bewusst sind.

Der Liberal-Islamische Bund unterstützt Paare bei der Eheschließung, die im Islam ein privatrechtlicher Vertragsschluss ist, unabhängig von der sexuellen Orientierung der Partner*innen, sofern die genannten Kriterien erfüllt sind und mindestens eine Person geschlechterunabhängig Muslim ist. Es ist zu wünschen, dass solche Ehen durch den Gesetzgeber auch säkular-rechtlich als Ehen anerkannt werden. Der zentrale Vers im Koran, der sich mit Partnerschaft und deren wesentlichen Sinn und Zweck beschäftigt, lautet: 
Zu Seinen Zeichen gehört, dass Er für euch Partner aus euch selber geschaffen hat, damit ihr bei ihnen Ruhe findet, und Er hat zwischen euch Liebe und Barmherzigkeit bewirkt. Darin sind fürwahr Zeichen für Leute, die nachdenken.“ (30:21).
Grundlage für Partnerschaft ist im Islam also die Liebe sowie eine Beziehung auf Augenhöhe.

Mit seiner Position vertritt der Liberal-Islamische Bund eine unter deutschen Muslim*innen weit verbreitete Meinung: Laut dem Religionsmonitor der Bertelsmann-Stiftung befürworten rund 50 % der deutschen Muslim*innen eine Homo-Ehe, was mit Blick auf die eindeutige Ablehnung durch die traditionelle Theologie ein hoher Wert ist.

Auch politisch lässt sich ein Verbot der Homo-Ehe nicht begründen. Sofern argumentiert wird, dass Sinn und Zweck der Ehe Nachkommenschaft sei, müsste die Ehe auch z.B. für Senioren oder zeugungsunfähige Heterosexuelle verboten werden. Sofern argumentiert wird, dass Kinder mit beiden Geschlechtern als Eltern aufwachsen müssten, müsste auch Alleinerziehung untersagt werden. Schon heute werden Kinder von homosexuellen Paaren großgezogen. Dass hierdurch das Kindeswohl gefährdet würde, ist durch keine Studie belegt. Kinder benötigen v.a. Liebe, Geborgenheit und Fürsorge all dies kann auch von homosexuellen Eltern geleistet werden (bzw. wird bereits geleistet).
Ebenso wenig vermögen juristische Einwände zu überzeugen. Der verfassungsrechtliche Ehebegriff ist schon seit jeher dynamisch ausgelegt worden und nicht statisch im Sinne der damaligen Vorstellungen des Verfassungsgebers.
Aufgrund seines Selbstverständnisses, jedweder Art von Diskriminierung entgegenzutreten, und der Tatsache, dass weder theologische noch politische und juristische Argumente gegen eine Homo-Ehe sprechen, macht sich der Liberal-Islamische Bund dafür stark, die Ehe auch für homosexuelle Paare zu öffnen.

DER VORSTAND

Eine ausführlichere Begründung dieser Gedanken findet sich in der
Rubrik  
"Inhalte und Ziele" Positionspapiere: hier

Mehr über den Liberal-Islamischen Bund: hier

Denis Diderot und die Aufklärung in Langres (aktualisiert)

Geburtshaus von Denis Diderot,
Musée des Lumières
Die nordfranzösische Stadt Langres ist durch einen Mann von globaler Bedeutung bekannt geworden:
Denis Diderot wurde dort am 5. Oktober 1713 geboren (gest. 31. Juli 1784 in Paris). Seine Schriften zeichnen ihn als einen der Protagonisten der Aufklärung aus sowohl in philosophischer wie in dichterischer Hinsicht und im Blick auf eine "erleuchtete" vorurteilsfreie Menschlichkeit.
Die herausragendste Leistung jedoch besteht darin, dass er zusammen mit dem Mathematiker, Physiker und Philosophen Jean-Baptiste le Rond d’Alembert (1717-1783) die große französische Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers herausgab (= Enzyklopädie oder ein durchdachtes Wörterbuch der Wissenschaften, Künste und der Handwerke)Sie enthält über 72.000  Artikel.
In dieser Zusammenstellung des gesamten bekannten weltweiten Wissens der damaligen Menschheit schrieb Diderot selbst immerhin 6.000 Artikel !
Man darf sagen, dass er zusammen mit den anderen Autoren in gewisser Weise den Vorläufer von Wikipedia (mit inzwischen über 1.800.000 Artikeln) erfunden hat. Angesichts der medialen Möglichkeiten des 18. Jahrhunderts liegt ein geradezu gigantisches Werk hier vor uns.

Es soll an dieser Stelle aber noch angemerkt werden, dass er auch als Dramatiker, Schriftsteller und Philosoph hervortrat. In seiner Kirchen- und Religionskritik stellte er die Deutungshoheit der Kirche über das Verständnis der Welt in Frage und gab den (natur-)wissenschaftlichen Sichtweisen konsequent Raum. Damit stand nicht mehr der Glaube an Schöpfung und Erlösung im Mittelpunkt, sondern die Selbstbestimmung des Menschen, der sich von allen Unfreiheiten löst. Dieses Denken führte ihn mehr und mehr von einer theistischen Sicht zu einer eher a-theistischen Haltung. 
Diese a-theistischen Gedanken, verbunden mit einem ausgeprägten Toleranzverständnis,
hat Pierre Bayle (1647-1706), gewissermaßen Diderots geistiger Vorgänger zum Ausdruck gebracht. Vgl.: Pierre Bayle: 
Toleranz (1686), Suhrkamp stw 2183, 2016: Inhalt, Kommentar, Leseprobe

Mehr zur Bedeutung von Denis Diderot:
Stéphane Lojkine & Adrien Paschoud (dir.):
Diderot et le temps .
(Diderot und die Zeit) Marseille & Aix: PUP 2016, 328 pp.

Von der Philosophie zur Gottlosigkeit ist es eben so weit wie von der Religion zum Fanatismus, aber vom Fanatismus zur Barbarei ist es nur ein Schritt.
                                                             (aus: D. Diderot: Dédicace de l'essai sur le mérite et la vertu, 1745)

Diese Haltung war wie bei vielen seiner aufklärerischen Zeitgenossen in Europa durch die Dialektik von raison (Vernunft), sens (Sinnhaftigkeit, Verstand) und sensibilité (Empfindsamkeit) geprägt. Das Schwergewicht legte er auf die sensibilité, die er als eine universale Geisteshaltung beschrieb (sensibilité universelle). Darin besteht die wahre Menschlichkeit:

"Menschlichkeit - Humanité: Das ist ein Gefühl des Wohlwollens für alle Menschen, das nur in einer großen empfindsamen Seele aufflammt. Diese edle und erhabene Begeisterung kümmert sich um die Leiden der anderen und um das Bedürfnis, sie zu lindern; sie möchte die ganze Welt durcheilen, um die Sklaverei, den Aberglauben, das Laster und das Unglück abzuschaffen. Sie verbirgt vor uns die Schwächen der Mitmenschen oder verhindert dadurch, diese Schwächen zu fühlen, macht uns aber unerbittlich gegenüber Verbrechen. Sie entreißt dem Bösewicht die Waffe, die dem guten Menschen zum Unheil werden könnte. Sie verführt uns nicht, uns von besonderen Pflichten zu befreien, sondern macht uns - im Gegenteil - zu besseren Freunden, besseren Eheleuten, besseren Staatsbürgern. Es macht ihr Freude, die Wohltätigkeit auf alle Wesen auszudehnen, die die Natur neben uns gestellt hat. Ich habe diese Tugend, eine Quelle so vieler anderer Tugenden, zwar in vielen Köpfen bemerkt, aber nur in wenigen Herzen."                                        
(Encyclopédie: Artikel  Humanité, 8. Band, 1766)



Langres besitzt mit dem Geburtshaus von Diderot das einzige Museum dieses berühmten Enzyklopädisten in Frankreich: Le Musée des Lumières. Bei einem Rundgang dort werden die BesucherInnen zum einen in das Leben und Wirken von Diderot und einiger seiner Zeitgenossen und aufklärerischen Mitstreiter eingeführt. Zum andern erlebt man ein Stück europäischer Geistesgeschichte nach, die die Welt gesellschaftlich und politisch grundlegend verändert hat. Diderot gehört zu den visionären Protagonisten einer Zeitenwende hin zum "Licht des Geistes" und damit zu den Protagonisten für eine aufgeklärtes, idealistisches Menschenbild.
Vgl. das Schema zu den verschiedenen Typen der Menschenbilder im Blick auf Menschenwürde und Menschenrechte.
Diderot ist in einem Zuge neben vielen anderen zu nennen - mit Immanuel Kant, René Descartes, Wilhelm Gottfried Leibniz, Voltaire, Jean Racine, Gotthold Ephraim Lessing und Jean-Jacques Rousseau. 


Denis Diderot - Porträt im Museum



 
Place Diderot im Zentrum von Langres




Europa der Aufklärung
 Die Reisen von Diderot bis nach Russland





Diderot und die Kunst


Madame de Pompadour (1721-1764)
Mätresse von König Ludwig XV.,
Förderin von Diderot


Die Herausgeber der Enzyklopädie:
Jean-Baptiste le Rond d'Alembert und Denis Diderot


Präsentation der Gesamtausgabe


Erscheinungsjahre der einzelnen Bände





Denis Diderot,
gemalt von Dimitri Levitzky 1773/1774
(Wikipedia.fr)


Sonntag, 21. Mai 2017

Die Templerkapelle in Laon (Nordfrankreich)

Templerkapelle, Nordseite
Auf einem Kalkfelsen
100 Meter über der Ebene liegt herausragend Laon, eine karolingische Gründung. In der mittel-alterlich geprägten Stadt hat die 

Kathedrale Notre Dame 
einen faszinierenden Platz. In unmittelbarer Nähe - gewissermaßen mit Sichtkontakt - befindet sich die ehemalige Templer-Commanderie (Kommende) mit einer Kapelle. Diese räumliche Beziehung von Kathedrale und Chapelle des Templiers (12. Jh.) bringt die Verbundenheit und Distanz des Templerordens zur Machtinstitution Kirche sehr schön zum Ausdruck. 
Vielleicht hat auch die Ikone des Heiligen Angesichts Christi in Laon zumindest indirekt mit den Templern zu tun.


Buchcover
Autoren: Caroline et Jean-Pierre Jorrand. Laon 2001
Templerkapellen sind in der Regel nicht groß, allein ihre architektonischen Ähnlichkeiten mit den anderen Templerkapellen Europas signalisieren hinter aller baulichen Bescheidenheit das einst mächtige internationale Netzwerk der Tempelritter im Mittelalter. Nach der Auflösung des Templerordens im Jahre 1312 fiel auch dieser Komplex an die Johanniter
In Laon ist das alte Templer-Areal gut zu erkennen, weil die dazugehörigen ehemaligen Commanderie-Gebäude (jetzt Museum) mit dem idyllischen Garten (dem ehemaligen Friedhof der Templer) ein harmonisches Ensemble bilden.
Mehr zu den Templern
als ungewollte Brückenbauer zwischen Orient und Okzident: hier

mit Vorstellung weiterer Templerkapellen in Frankreich und Deutschland


Altarraum mit zwei Propheten


Das Templerkreuz als Fußbodenintarsie


Blick durch die Vorhalle



Vorbild für die Templerkapelle in Metz





Apsis mit Blick zur Kathedrale
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Vorbild Laon:
Die Templerkapelle in Metz
, um 1250
Bildergalerie (eklablog.com)



Creative Commons

Sonntag, 14. Mai 2017

West-östlicher Divan in Iserlohn (aktualisiert)

Es gibt ihn schon seit 1991, den west-östlichen Divan in Iserlohn. 
Er findet drei- bis viermal jährlich in der
Ev. Erlöserkirchengemeinde Iserlohn-Wermingsen 
statt.
Der Gedanke einer ständigen Baustelle Kulturbrücke steht hinter diesen interreligiösen Begegnungen. Ein bestimmtes Thema kommt jeweils besonders zur Sprache.


Nächster Divan Nr. 139: Donnerstag, 29. Juni 2017
Weitere Termine 2017:

jeweils Donnerstag: 05.10. / 30.11.

Unschwer ist zu erkennen, dass das Motto „unseres“ Divan von Johann Wolfgang Goethe stammt:
Wer sich selbst und andre kennt
Wird auch hier erkennen:
Orient und Okzident
Sind nicht mehr zu trennen.
Sinnig zwischen beiden Welten
Sich zu wiegen lass ich gelten;
Also zwischen Ost- und Westen
Sich bewegen, sei’s zum Besten!“
          West-östlicher Divan, Nachtrag 1825/26

Diese Worte des Dichterfürsten zeigen die Verwobenheit des Westens mit dem Osten. „Unser“ Divan nimmt diese Verwobenheit jedes Mal aktuell und grundsätzlich auf. Die Termine und Themen werden in der örtlichen Presse und auch im interreligiösen Veranstaltungskalender angekündigt:  
 Zur Struktur:
Meistens beginnen wir einen „Divan“ mit aktuellen Berichten, die oft durch Erfahrungen von „Betroffenen“ verstärkt werden. Dazu kommt Vortrag und Rezitation von teilweise poetischen Texten aus anderen geografischen und spirituellen Landschaften. Wir nehmen das Hin- und Herwiegen also fast wörtlich. Durch verschiedene Klänge und Lieder aus der christlichen Tradition und zuweilen auch der Nachbarreligionen wird Musik selbst zu einer Brücke zwischen den verschiedenen Welten und weckt in den Hörern oft unvermutete Erkenntnisse, welche multikulturelle und multireligiöse Bereicherung bedeuten. 
Zur Geschichte:
Seit dem Jahre 1991 setzen sich Menschen in dem Iserlohner Divan oder auf diesem (geistigen) Divan zusammen. Er fand verschiedene gastfreundliche Orte, an denen der Divan mehrere Jahre stattfand: Die Reformierte Kirche (City-Kirche), dann die Kapelle der Ev. Akademie bis zu deren Verkauf und nun schon mehrere Jahre im Gemeindehaus der Ev. Erlöserkirchengemeinde in Iserlohn-Wermingsen.
Neben vielen vertrauten Gesichtern kommen immer wieder Interessierte neu hinzu. Sie bringen ihren unterschiedlichen biografisch-religiösen Hintergrund sozusagen mit und setzen sich dem fremden Bekannten und dem unbekannten und doch Vertrauten aus. Sie merken dabei, wie sie sich selbst verändern: Deutsche und Ausländer, Muslime, Christen, Anhänger der Baha’i-Religion, Marokkaner, Griechen, Iraner, Flüchtlinge aus Ex-Jugoslawien, Männer und Frauen.
Im Grunde hat mit diesem Divan eine geistige Wanderung, eine interreligiöse Pilgerreise begonnen, von der zu hoffen steht, dass sie dem Zusammenleben von Menschen verschiedener Glaubensweisen und damit auch der deutschen Gesellschaft in unserer Region zugute kommt.

Weitere Informationen und Einladungen zu den einzelnen Terminen per Rundmail Anfragen – E-mail: interrel@t-online.de

Donnerstag, 11. Mai 2017

Der furchtbare Krieg in Syrien seit 2011 ---- Die Folge: Millionen Flüchtlinge (aktualisiert !)

Ethnisch-religiöse Situation in Syrien
Quelle: Syria Ethno-religious compositionby Institute
for the Study of War - aus: http://commons.wikimedia.org




Der Arabische Frühling hatte auch in Syrien Hoffnungen aufkeimen lassen. Aber nun schon mehrere Jahre ist brutale Gewalt zum Alltag im Lande geworden. Unermessliches Leid trifft die Bevölkerung. Millionen sind innerhalb des Landes auf der Flucht oder sind in die Nachbarländer geflohen. Besonders der Libanon, Jordanien und die Türkei tun schier Unmögliches zur Aufnahme der Flüchtlinge.

 
Dramatische Zahlen (2017) 
  • Libanon: 450.000 Flüchtlinge aus Palästina und dem Irak, 2 Millionen registrierte Flüchtlinge aus Syrien seit 2011  - Einwohnerzahl: 4,5 Millionen
  • Jordanien:  ca. 1 Million Füchtlinge - Einwohnerzahl: 9 Millionen
  • Türkei: ca. 2,7 Millionen Flüchtlinge - Einwohnerzahl: 80 Millionen
Maronitische St. Elias-Kirche
in Aleppo (2007 !) - aus Wikipedia
Religiöse und ethnische Minderheiten sind am meisten betroffen und drohen in diesem Krieg völlig zerrieben zu werden.



Weitere Informationen


--- Die gefährdete Zukunft der Armenier
     in Syrien und in der Levante
(NZZ 14.04.2014)

--- Berichte mit einer Chronologie des Bürgerkriegs in Syrien
                                   (fr-online vom 28.08.2013 mit Bildergalerie)

--- Das Drama um Maaula und das Thekla-Kloster (La Vie, 11.03.2014)

--- Die dunkle Seite der Assad-Beraterin Bouthaina Shaaban
    
(The Star, Toronto, 31.01.14)

--- Aufruf von Papst Franziskus zu einem Gebetstag für Syrien (07.09.13)



Der gewaltlose Widerstand der Frauen
--- Voices of Syrian women in civil resistance

(Nada Alwadi in Open Democracy vom 27.09.2013)


Hintergrundinformationen