Freitag, 13. Januar 2017

Islamische Theologie an deutschen Universitäten (aktualisiert)


Die politischen Entscheidungsträger in Bund und Ländern haben inzwischen organisatorisch umgesetzt, den Islam als Teil Deutschlands in die universitäre Lehre und Forschung einzugliedern. Die Erfahrungen mit den islamischen Studienzentren an den Universitäten sind einigermaßen ermutigend:
  • An den Universitätsstandorten für Islamische Religionslehrerausbildung geht es um die wissenschaftliche Vergleichbarkeit mit den anderen universitären Disziplinen.
    Im Blick auf die Beiräte, die die Studienzentren begleiten und für die Berufungen der Lehrenden ggf. zuständig sind, gibt es jedoch noch Differenzen, die man nun doch mit allen Beteiligten zu lösen versucht.


  • Details zu den Studienzentren für Islamische Theologie (s.u.) 
  •  
Eine Überblicksdarstellung:

Zekirija Sejdini (Hg.)Islamische Theologie und Religionspädagogik in Bewegung.Neue Ansätze in Europa. Bielefeld: Transcript 2016, 182 S.


Zwei Besonderheiten:

1.  Der Alevismus wird als eigenständige Bekenntnisgemeinschaft geführt. Daher gibt es in Nordrhein-Westfalen auch dafür einen regulären Unterricht:
--- Alevitischer Religionsunterricht: Bericht vom 14.02.2011 im Kölner Stadtanzeiger
--- Alevitischer RU als ordentliches Lehrfach  (Schule NRW 05/2012) 

2.  Die Ahmadiyya als islamische Sonderform hat in Hessen inzwischen den Status einer
Körperschaft öfentlichen Rechts
.
--- Homepage der deutschen Ahmadiyya: hier





Forschungs- und Ausbildungszentren für
Islamische Theologie in Deutschland

 Universität ERLANGEN-NÜRNBERG:


Universität FRANKFURT/M. (in Verbindung mit der Universität Gießen): 

 Universität HAMBURG:  
Akademie der Weltreligionen (AWR) --- Leitung: Prof. Dr. Wolfram Weiße
Diese Einrichtung versucht, die verschiedenen Religionen im Rahmen der Universität ins Gespräch zu bringen und auf diese Weise die Lehrerausbildung interreligiös zu verstärken.
Stellv. Leitung und für die Islamwissenschaften zuständig: Prof. Dr. Katajun Amirpur.


Universität MÜNSTER   
Zur "Geschichte" --- Auswahl von  Berichten und Materialien
Universität OSNABRÜCK 

Universität TÜBINGEN:  
 Universität HAMBURG:  
Blog von Serdar Günes (Universität Frankfurt/M.) mit vielen Beiträgen zum Thema "Islamische Theologie und Religionspädagogik in Deutschland"

Sondersituation Bremen:
Ablösung des Faches "Biblische Geschichte" durch "Religion"
(Radio Bremen, 26.06.14)


Hessen:
Islamischer RU seit Schuljahr 2013/14 in Hessen (Übersicht bei rpi-virtuell) 

Eine Schlüsselrolle für das weitere Islam-Studium spielt weiterhin der größte religiöse Verband, die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB)
inbesondere, weil die theologisch ausgebildeten Imame für die DITIB Gemeinden von der türkischen Religionsbehörde Diyanet kommen und nur wenige Jahre in Deutschland bleiben. Hier tauchen in letzter Zeit zunehmend Probleme auf, die mit der Verbindung von Diyanet in der Türkei und DITIB in Köln zusammenhängen.
Vgl.: Claudia Keller in ZEIT online vom 13.01.2017:
Moscheeverband DITIB - Unter dem Druck von Erdogan


    Informationen zu: Deutsche Islamkonferenz: Übersichten in Google-News  



    Donnerstag, 12. Januar 2017

    Tunesien, der Islam und die Bedrohung der Demokratie (aktualisiert)

    Festung (Ribat) Monastir (Wikipedia)
    Tunesien ist derzeit das einzige Land, dem es nach dem Arabischen Frühling gelang, eine demokratische Grundordnung zu etablieren. Diese gesellschaftliche Freiheit ist jedoch höchst gefährdet, weil sie den islamistischen Terrorgruppen ein besonderer Dorn im Auge ist. Das maghrebinische Land zeigt nämlich, dass sog. westlich-säkulare Werte und nordafrikanische Kultur ein freiheitliches Miteinander ermöglichen können. Ein dialogoffener Islam ist selbstverständlich Teil dieser Kultur, wie auch Judentum und Christentum. Man darf nicht vergessen, dass Nordafrika über Jahrhunderte auch von Zeugnissen griechischer und römischer Lebensart geprägt wurde. Davon zeigt beeindruckend das  Nationalmuseum von Bardo - römische und islamische Kunst. --- Dieses Museum wurde am 18. März 2015 von Terroristen überfallen! 

    Es war darum ein beeindruckendes Zeichen der Weisheit des norwegischen Nobelpreiskomittees, den  Friedensnobelpreis 2015  dem "Quartett für den nationalen Dialog", zu verleihen. Es setzt sich besonders intensiv für Freiheit, Demokratie und Menschenwürde ein. 
    D
    ie Süddeutsche Zeitung so auf den Punkt gebracht (SZ online, 09.10.2015):
    "Tunesien und sein Staatsrettungs-Quartett geben eine Anleitung dafür, wie auch andere arabische Gesellschaften aus dem selbstzerstörerischen Kreislauf von religiösem Hass und Gewalt entkommen könnten. Der Friedensnobelpreis belohnt diese viel zu wenig beachtete Anstrengung und zeigt der ganzen Welt, wie tatsächlich geholfen werden kann in dieser Zerfallsregion. Friedenssicherung beginnt mit Prävention, heißt die Botschaft. Der Frieden bleibt dort erhalten, wo vorgesorgt wird und wo sich eine Gesellschaft selbst gegen den Zerfall stemmt."

    Presseerklärung:
     
    Leibniz-Institut - Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung: hier


    Zur Geschichte
    Tunesien spielt für die arabische Welt eine wichtige Rolle, weil hier Islam und Demokratie eine kooperative Verbindung eingenangen sind. Es lohnt darum sehr die Geschichte Tunesiens seit der Unabhängigkeit genauer zu bedenken. Dazu verhilft besonders ein Buch von:
    Larbi Chouikha, Éric Gobe: Histoire de la Tunisie depuis l’indépendance.
    Histoire, No. 658. Paris: La Découverte 2015, 128 p.

    Histoire de la Tunisie depuis l'indépendance - Larbi CHOUIKHA, Éric GOBEAu début de 2011, en chassant du pouvoir un dictateur vieillissant, la Tunisie a été propulsée sur la scène médiatique internationale. Initiateur des « printemps arabes », ce petit pays donnait pourtant l’image d’un régime stable, certes dirigé par un despote, mais ouvert sur l’Occident. Cependant, la question de la succession du président Ben Ali amenait certains auteurs à s’interroger sur la durabilité d’un pouvoir largement fondé sur la coercition.
    Ce livre apporte des clés pour comprendre la manière dont le régime autoritaire tunisien s’est construit, puis pérennisé, et a été remis en cause. Si le système politique instauré par le président Bourguiba (1956-1987) était sous-tendu par un projet de société modernisateur, celui du président Ben Ali (1987-2011) visait à transformer le pouvoir en un instrument d’accumulation de richesses économiques au profit d’un clan familial. La rupture introduite par la « révolution » de 2011 a ouvert la voie à un nouveau cycle politique.
    Larbi Chouikha est professeur à l’Institut de presse et des sciences de l’information (université de la Manouba, Tunisie): Eric Gobe est directeur de recherche au CNRS (IRMC de Tunis). 


    Man muss sich vergegenwärtigen: Die aufregenden Ereignisse der sog. Jasmin-Revolution 2010/2011 drohten bald wieder in Unterdrückung durch ultra-konservativ-religiöse Kräfte zu münden. Die Groupe d'Observatoire de la Tunésie (IFEX) und der tunesische PEN-Klub gaben 2012 darum als Mahnung und Aufruf  eine Anthologie zur Revolution heraus:
    Pensées en cavales ( = Gedanken-Ausbrüche). Hier wehren sich Friedensaktivisten wie Schriftsteller, Dichter, Journalisten, Fotografen gegen Zensur, Verbote und Einschränkung der Meinungsfreiheit! Diese Menschen versuchen, den Repressionen zu widerstehen und die Barrieren in der Gesellschaft zu überwinden. 
    Tunesien hat es nicht einfach: Es ist weiterhin im Inneren wie auch durch die Ereignisse beim Nachbarn Libyen mit islamistischen Terror bedroht. Es muss im Interesse der Völker auf der Nordseite des Mittelmeers sein, dass Tunesien eine Brücke des Friedens, der Freiheit und Verständigung zwischen Orient und Okzident bleibt.

    Ergänzende Literatur
    • John Ruedy (eds.): Islamism and Secularism in North Africa.
      New York: St. Martin's Press 1994, XXII, 298 pp., index
    • Jacques Taïeb: Sociétés juives du Maghreb moderne (1500-1900).
      Un monde en mouvement. Préface de Michel Abitbol
      Paris: Maisonneuve & Larose 2000, 223 pp., index

    Eine beeindruckende Erinnerung an den April 1914: Die Tunis-Reise der drei Maler
    Paul Klee, August Macke und Louis Moillet:

    Die Reise führte von Tunis über St. Germain und Sidi Bou Said nach Hammamet und dann in die Wüstenstadt Kairouan, die durch auch als islamischer Wallfahrtsort berühmt ist.
    Kultur, Landschaft und Architektur des Maghreb inspirierten diese Künstler so sehr, dass die Nachwirkungen bis heute als interkulturelles Schlüsselerlebnis anzusehen ist. Allerdings fand die Reise kurz vor Beginn des 1. Weltkriegs statt.  Paul Klee schrieb wahrscheinlich in einer gewissen Vorahnung in sein Tagebuch:  "Die Sonne von einer finsteren Kraft. Die farbige Klarheit am Lande verheißungsvoll."  Das klingt fast auch wie eine Botschaft für das Tunesien nach der Jasmin-Revolution.

    --- Tunesische Reminiszenzen (Reinhard Kirste)
    --- Vgl. Bericht in SPIEGEL online vom 02.12.2010 (mit aktuellen Fotos)
    --- Ein Bildband zur Tunisreise (NDR-Rezension vom 20.06.2014)

    Samstag, 7. Januar 2017

    Maghreb, Mittelost und Süd(-Ost)-Asien: Terror und die Bedrohung religiöser und ethnischer Minderheiten (aktualisiert)

    Durch die Revolutionen im Nahen Osten, besonders in Ägypten und durch den Bürgerkrieg in Syrien sowie die brutal-fundamentalistischen IS-Kämpfer im Irak hat sich die Lage für die dortigen Christen beunruhigend zugespitzt. Ähnliches gilt auch für Pakistan und weitere Staaten Südasiens, z.B. Malaysia und selbst Indonesien.
    So haben die Verfolgung und Ermordung von Christen und anderen Minderheitenen  ein bisher nicht gekanntes Ausmaß erreicht.
    In Indien verstärkt  der Hindu-Nationalismus den Druck auf die anderen religiösen Traditionen, besonders den Islam und das Christentum.

    Es ist schwer abzuschätzen, wie sich das Jahrhunderte lange oft friedliche und gastfreundliche multireligiöse Zusammenleben in den afrikanischen und asiatischen Gesellschaften weiter entwickeln wird. Besonders durch die Bürgerkriege und die Expansion des sog. Islamischen Staats (IS) und verwandter Milizen sind der gesamte Mittlere Osten, Teile Nordafrikas und der Subsahara-Gebiete destabilisiert.

    ÜBERSICHT
    1. Der sog. Islamische Staat - Bedrohung und Gewaltexzesse
    2. Länder und Regionen (A - Z)
    3. Hintergrundinformationen: Naher und Mittlerer Osten

    Am Ende des Jahres 2016:
    Das Kreuz der Christen im Nahen und Mittleren Osten (Tagesspiegel, 24.12.2016)

    1.  DER sog. ISLAMISCHE STAAT
         - BEDROHUNG UND GEWALTEXZESSE


    2.  LÄNDER UND REGIONEN

    ARABISCHE HALBINSEL und NAHER OSTEN 


    ÄGYPTEN
    INDONESIEN

    IRAK
    MAGHREB
    MALAYSIA
    MYANMAR / BURMA

     PAKISTAN / AFGHANISTAN
    PALÄSTINA
    Von den Anfängen bis heute, vgl. Wikipedia: Palästinakonflikt.

    SYRIEN

    TÜRKEI


    3. Hintergrundinformationen:
        NAHER und MITTLERER OSTEN / SÜDOSTASIEN