Freitag, 20. Februar 2015

Religiöse Horizonterweiterung - Religion nach den Religionen? - Aktualisierung mit den deutschen Texten

Die Internationale Theologische Kommission der Vereinigung der 3. Welt Theologen EATWOT hat angesichts der rasanten weltweiten gesellschaftlichen Veränderungen neu über die Funktion von Religion und Religionen nachgedacht. Religionen in unserem heutigen Sinne sind erst in der Steinzeit entstanden und haben über die Jahrtausende bestimmte Ritualformen und Glaubensansprüche entwickelt. Sie sind damit zeitbedingte Ausdrucksformen von Spiritualität im Kontext der Fragen nach den Grundfragen des Lebens. Woher komme ich? Wohin gehe ich?
Angesichts weltweiter Paradigmenwechsel, die immer wieder stattfanden und die seit der sog. Achsenzeit besonders auffällig sind, muss man heute fragen, ob nicht das Ende dieser “religionalen” Religionen gekommen ist. EATWOT plädiert darum in einem 
Memorandum für eine post-religionale Spiritualität.

Der bisherige Dialog der Religionen würde von daher auch eine neue Qualität bekommen.  Ein brisanter Aufruf und eine Herausforderung an alle traditionellen Religionen! 

Englischer, spanischer und portugiesischer Text mit breit gefächerter Diksussion
in VOICES, vol. XXXV (Januar - März 2012):

 
Deutsche Übersetzung und Kommentierung


Freitag, 13. Februar 2015

Die Berliner Museumsinsel: Potentiale der interkulturellen Verständigung

Berlin: Bode-Museum (Wikipedia)
Angesichts der geradezu bizarr anmutenden Debatte, ob der Islam zu Deutschland gehöre oder "nur" die hier lebenden Muslime, kann man nur über die Geschichtsvergessenheit derer staunen, die den kulturellen Reichtum übersehen, den "der Islam" nach Deutschland gebracht hat. Der damalige Bundespräsident Christian Wulff hatte mit seiner Rede zum 20. Jahrestag der deutschen Einheit am 3. Oktober 2010 den Disput ins Rollen gebracht.
Wie Recht er und mit ihm die Bundeskanzlerin Angela Merkel (vgl. Spiegel online, 12.01.2015) hat, zeigt das herausragende Beispiel der Museumsinsel Berlin. Umschlossen von zwei Armen der Spree, repräsentiert sie als offizielles UNESCO-Weltkulturerbe (seit 1999) einen weit gefächerten Museumskomplex, der aufregende Reisen in die Kulturen der Welt von damals und heute ermöglicht. Das gilt gerade für  die orientalischen Kulturen und  für das dort beheimatete Museum für Islamische Kunst.

In der Süddeutschen Zeitung veröffentlichte Hermann Parzinger am 11.02.2015 einen beeindruckenden Artikel unter der treffenden Überschrift: 
Der Islam gehört zur Museumsinsel. 
Die für viele Museen in Berlin verantwortliche Stiftung Preußischer Kulturbesitz nahm diesen Beitrag gezielt auf ihre Webseite: Hier der  Beitrag!

Gegen Schluss erinnert der Autor:
Wir haben schon immer unsere Geschichte und unsere Kultur mit Anderen geteilt. Insofern geht es weniger um die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört, als vielmehr darum, wie er mit der abendländischen Kulturgeschichte verbunden ist.

Ein Besuch auf der berühmten Museumsinsel erweitert auf ganz unkomplizierte Weise den interkulturellen Horizont. Aus solchen Erkenntnissen heraus könnten sich festgefahrende Pauschalurteile verändern ...


Mittwoch, 11. Februar 2015

Institut du Monde Arabe - Brücke zwischen Orient und Okzident


Arabische Kalligrafie:
Wissen verleiht ewige Kraft
Das Institut du Monde Arabe (IMA), Paris gehört zu den bedeutendsten Kultureinrichtungen Frankreichs, die die Verbindung mit der arabischen Welt intensiv pflegen. Mit zahlreichen Ausstellungen, Konzerten, Film- und Theater- aufführungen sowie Diskussionen zu aktuellen Themen aus der Geschichte und der Gegenwart soll ein differenziertes Bild des Orients vermittelt werden.
Oft betrifft dies auch den Zusammenhang zwischen Christentum und Islam.
Eine große Bibliothek und Mediathek sowie eine Spezialbuchhandlung ermöglichen weitergehende Recherchen.

Das aktuelle Programm findet man unter Activités & Évènements.

Inzwischen kann man jedoch viele Veranstaltungen auf YouTube nach-schauen, insbesodere die Donnerstage der IMA - Jeudis de l'IMA


Hier eine Auswahl

10. November 2014:  Caricaturistes - Fantassins de la démocratie

20. Oktober 2014:     Les Vies de Mohammed Arkoun

19. Juni 2014:           Islam, islamisme(s) et Ocident

27. März 2014:          Écrire, créer - dans les camps palestinienens

9. Januar 2014:         L'islamophobie en question

22. November 2013:   Une oeuvre, un destin - André Miquel

24. Oktober 2013:      Histoire des relations entre Juifs et Musulmans

Weitere (inter-)religiöse und interkulturelle Lernorte: hier



Neues aus der Interreligiösen Arbeitsstelle (INTR°A): hier 



Mittwoch, 4. Februar 2015

Notwendigkeit und Schwierigkeiten bei der Erneuerung der Koran-Interpretation (aktualisiert)

Innerhalb der islamischen Theologie und Literaturwissenschaft  gibt es seit Jahren eine zum Teil heftige Debatte um die Auslegung des Korans unter den Bedingungen der Moderne. Sie reicht von einem unverrückbaren Verständnis des absolut geoffenbarten Wortes Gottes im koranischen Text bis hin zur Beachtung historischer Bedingtheiten. Auch auf Deutsch gibt es viele  Koran-Übertragungen und Kommentare. Sie zeigen  sowohl hermeneutische Möglichkeiten als auch "dogmatische" Schwierigkeiten an.


Weitere wichtige islamische ReformerInnen 
(mit Literaturhinweisen)
Übersicht und Details bei "Brückenbauer des interreligiösen Dialogs"

Dienstag, 3. Februar 2015

Leonard Swidler bittet, das Wort "Allah" in der jeweiligen Landessprache zu benutzen

Viermal ALLAH in allen Himmelsrichtungen:
das arabische Wort für GOTT
in kufischer Schrift
Angesichts der Tatsache, dass den Christen in Malaysia neuerderdings verboten wurde, - wie bisher üblich - das Wort "Allah" für Gott zu benutzen, bittet Prof. Dr. Leonard Swidler von der Temple University in Philadelphia  (USA) bescheiden, dass Muslime das Wort "Allah" in der jeweiligen Landessprache schreiben mögen, also im deutschsprachigen Raum statt "Allah" das Wort "Gott" benutzen. Nur so lässt sich vermeiden, dass der Eindruck entsteht, dass der Gott der Muslime ein anderer als der der Christen und Juden sei.

Hier seine Begründung, die er bereits 2010 ausführlich theologisch darlegte:

Friends,
Especially in light of the Malaysian government’s strange law forbidding Christian Malaysians to use the term Allah when referring to God in “Bahasa Indonesia,” I offer precisely the opposite suggestion to Muslims writing in English, and other European languages, namely, Do not use the term Allah when writing of God.
Here’s why:

Journal of Ecumenical Studies, 45, 4 (Fall, 2010)

EDITORIAL

A MODEST SUGGESTION: “GOD,” NOT “ALLAH”


                I wish to offer a modest suggestion to my Muslim friends, namely, that when they wish to refer to the deity while writing or speaking English they use the English word “God” (or analogously in other European languages, such as Gott, Dieu,...), and not the Arabic word “Allah.” The reason for the suggestion is that, given the vast ignorance concerning, to say nothing of rampant bad will toward, Islam today, many Christians, and Jews, will mistakenly think that Muslims do not believe in the same God they believe in, that is, the one and only God, creator of all that exists.
                If one asks what the formal creeds of Judaism or Islam are, the answers will be very brief. The Jew in response will recite the Shema (Hebrew, “hear”): Shema Yisrael, Yahweh elohenu echad (“Hear oh Israel, Yahweh our God is one!” Dt. 6:4—a devout Jew will substitute the word adonai, “Lord,” for “Yahweh,” out of reverence for the proper name of God).[1]
                The Muslim formal creed, the Shahada (Arabic, “testimony”), sounds strikingly similar to the Hebrew Bible’s injunction: La ilaha illa ’llahu (“There is no god but God”—’llahu being pronounced allahu, is simply the generic Arabic word for “god”). Many Muslims use Allah as a proper name for God (like Yahweh is in Judaism), although, of course, it is not a proper name. In Arabic, ’l, or al, is the parallel to the Hebrew el—both being Semitic languages—meaning “god.” To this statement about there being only one God, the Shahada adds only: “and Mohammed is his prophet.”
                Christianity, after it was embraced by the Hellenistic Roman Emperor Constantine, was vastly more influenced by abstract Greek philosophical thinking in its self-understanding than were either Judaism or Islam (both were much more Semitic, hence, focused largely on ethics, in their thinking). Consequently, its formal creed(s) were much longer. Nevertheless, they always started basically the same way: Credo in unum Deum, “I believe in one God.”
                All three religions affirm authentic monotheism, that is, there is only one God, creator of all that exists; all other claimants to divinity are rejected. At the same time, there are not just three different understandings of God by Jews, Christians, and Muslims. Rather, there are many. Clearly, for example, the Christian understanding of God as a loving, forgiving father of a Prodigal Son is the antithesis of the understanding of God as confirming the Inquisition and burning heretics at the stake. The same antitheses can be seen in Islam: God the Compassionate and Merciful vs. a suicide bomber shouting the name “Allah.” All three traditions affirm God’s beneficent will toward humankind and the rest of creation. Theologizations and practices that contradict that fundamental position run contrary to the core of all three religions’ central understanding of God.
                Hence, for Muslims to speak in English of “Allah” rather than “God” is to communicate to the listener a sub-message: My God is different from your God, and you can tell by his different name. To so speak/write is both inaccurate, and worse, builds a barrier and enmity precisely where there should be a bond and amity.
                Having voiced this concern to several of my Muslim friends, I happily learned that they had already come this view—and practice—long before I spoke to them. I would therefore like to share this view with my fellow Christians, as well as Jews, Hindus, agnostics, etc., and encourage them to consider both adopting and supporting it, both for themselves and for our Muslim sisters and brothers.

Leonard Swidler

Leonard Swidler, Ph.D., S.T.L., LL.D., LL.D. astro.temple.edu/~swidler
Prof Catholic Thought & Interreligious Dialogue (skype: leonardswidler)
215-204-7225 (Off.) 215-477-1080 (Home) 513-508-1935 (Mobile)
Editor Journal Ecumenical Studies; Pres. Dialogue Institute www.jesdialogue.org
Religion Dept. Temple Univ. Philadelphia, PA 19122 www.temple.edu/religion
Center for Global Ethics: globalethic.org;Blog lenswidlersblog.jesdialogue.org/ 
Co-founder, Assoc. Rights of Catholics in Church  www.arcc-catholic-rights.net    
Swidler Books astro.temple.edu/~swidler; Facebook.com/dialogueinstitute
Deep-Dialogue/Critical-Thinking Online Course astro.temple.edu/~swidler/




[1]Devout Jews already from ancient days developed the custom of not speaking, or even writing, the proper name of God, Yahweh, out of respect. Today I still receive papers and exams from some Jewish students who, even in English do not write out God, but instead write “G-d.” I once even received a student paper which said: “Because I am an atheist, I don’t believe in G-d, but, . . .”

Sonntag, 1. Februar 2015

LERNORT: Universitätskolleg des hl. Bernhard, Paris

Die durch Bernhard von Clairvaux (1090-1153) eingeleitete intensive Klosterreform machte den Orden der Zisterzienser zu einer verändernden Triebkraft der mittelalterlichen Kirche im gesamten Europa. So verwundert es auch nicht, dass der Orden 1248 eine eigene Universität in der damaligen Bildungsmetropole Europas gründete, in Paris: das Collège des Bernardins. Dieses Kolleg beeinflusste mehr als 400 Jahre die intellektuelle Entwicklung nicht nur der Stadt und der
1338 entstand ein neue Kirche mit Sakristei und Kollegiatsgebäude, die im Geist Bernhards Einfachheit (simplicitas) und Anbetung Gottes (adoratio) zum Ausdruck brachten. Die Wirren und Veränderungen der Zeit ließen nur Weniges von dieser imposanten und doch ganz schlicht gehaltenen Architektur stehen. Die aufwändige Restaurierung hat nun im Universitätsviertel von Paris ein Juwel entstehen lassen, das zu Bildung und Besinnung gleichermaßen einlädt. Seit September 2008 ist das "Collège des Bernardins" zum ersten Mal in seiner Geschichte öffentlich zugänglich. Konferenzen, philosophische und theologische Weiterbildungskurse, Konzerte, Filme und Kunstausstellungen lassen den alten zisterziensischen Geist in spirituell-heiterem Gewand wieder auferstehen. Wissenserwerb im Sinne von  Annäherung an Weisheit geschieht hier fast wie von selbst.

Mehr zur Wirkungsgeschichte des Zisterzienser-Ordens: hier

Im Jahre 2012 zeigte sich thematisch beeindruckend die Ausstellung von Bruno Perramant in der Sakristei des Kollegs: Les aveugles (die Blinden).
Blindheit spielt auch in Dantes Göttlicher Komödie eine Rolle, auf die Perramant auf einigen seiner Bilder Bezug nimmt.


Bruno Perramant: Die Blinden

Aus der Göttlichen Komödie: Dante im Wald auf dem Weg in die Hölle
Dante geht ins Vorfegefeuer

                                                                                                                        Weitere Lernorte: hier