Freitag, 13. März 2015

Johann-Friedrich Konrad - Wegbereiter im christlich-jüdischen Dialog


Johann-Friedrich Konrad (1932-2015) war viele Jahre Professor für Neues Testament an der TU Dortmund.
Er hat in Theorie und Praxis den christlich-jüdischen Dialog dadurch entscheidend vorangebracht, dass er Vorurteile, Abwehrhaltungen und Antijudaismus in der christlich-dogmatischen Sichtweise erheblich revidierte und dadurch ein entspannteres Verhältnis  in der Begegnung von Juden und Christen ermöglichte.


In seinen exegetischen Forschungen verdeutlichte er auch die antijüdischen Tendenzen in den neutestamentlichen Schriften, besonders im Matthäus-Evangelium. Sein Dialog-Engagement erweiterte er sehr bald auch auf den Islam. Darüber hinaus war ihm als engagierter Religionspädagoge auch der aktualisierende Umgang mit den Weisheits- und Märchentraditionen wichtig.



Buchveröffentlichungen (mit Herausgeberschaft)
     
  • 1975: Kalina und Kilian.
    Problemorientierter Religionsunterricht
    mit Handpuppen für Kindergarten und Grundschule.
    (GTB 97,Gütersloher Verlagshaus)
  • 1978: Seid klug wie die Schlangen.
    Ein Arbeits- und Vorlesebuch. Fabeln.
    Zur religiösen Erziehung. Gütersloher Verlagshaus
  • 1981: Hexenmemoiren.
    Märchen entwirrt und neu erzählt. Eichborn Verlag
  • 1985: Wenn Lügen lange Beine haben. Märchen der Völker von Lug und Trug. Mit Spielanregungen von Wolfgang Longardt.
    (GTB 887, Gütersloher Verlagshaus.
  • 1988: Puppenspiele mit Märchen. Für Kindergarten, Schule und Gemeinde
    (GTB 670, Gütersloher Verlagshaus)
  • 1988: Die Reise durchs Nadelöhr. Märchen der Völker von Weg und Tür.
    Mit Spielanregungen von Wolfgang Longardt (GTB 892, Gütersloher Verlagshaus)
  • 1992: (zusammen mit Wolfgang Longardt): Wo die Flöte ertönt. Märchen der Völker von Musik, Tanz und Spiel. GTB Siebenstern (Gütersloher Verlagshaus)
  • 1992: Wenn alte Adler wieder jung werden. Märchen der Menschen von Befreiung und Erlösung. Gütersloher Verlagshaus
  • 1993: Als Eva noch alleine war.
    Frauen der biblischen Urgeschichte erzählen (Kreuz-Verlag)
  • 1994: Wo die Blume  zu finden ist. Märchen der Völker von Liebe und Treue. GTB Siebenstern (Gütersloher Verlagshaus)
Beiträge in der Reihe"Religionen im Gespräch" (RIG)

Johann-Friedrich Konrad starb am 2. März 2015 im Alter von 83 Jahren in Dortmund.


Pressemitteilung  der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Dortmund e.V. 

 Nachruf  zum Tode von Prof. em. Dr. theol. Johann-Friedrich Konrad 

Wir bedauern von ganzem Herzen den Tod unseres Ehrenvorsitzenden
Prof. em. Dr. Johann-Friedrich Konrad.
Wir sprechen seiner Ehefrau und der Familie unsere herzliche Anteilnahme aus.

Die Mitglieder , die Geschäftsführerin und der Vorstand  nehmen Abschied von unserem Mitglied, der uns durch seine jahrzehntelange und hoch engagierte Mitarbeit im Vorstand seit über 30 Jahren, davon seit 1978 bis 1992 im Amt als geschäftsführender bzw. evangelischer Vorsitzenden und als Mitbegründer des Theologischen Arbeitskreises unserer Gesellschaft, immer in Erinnerung bleiben wird.

Durch sein Engagement hat Prof. Dr. Konrad Brücken gebaut, die den fruchtbaren Dialog nicht nur in unserer Christlich-Jüdischen, sondern auch zwischen den Religionen, gefördert hat.

Er gehörte zu den Initiatoren der Gespräche zwischen Christen, Juden und Muslimen in unserer Region.

Unsere Geschäftsführerin, Frau Schäfer, hat noch viele persönliche Erinnerungen an die Zusammenarbeit mit ihm als Vorstandsmitglied und Hochschullehrer – an seinen kreativen Geist und sein Herzensanliegen, jeglichem christlichen Antijudaismus in Wort und Schrift entgegenzutreten. Dazu ein Zitat von ihm: „In die Kirche wird der Jude Jesus erst wieder einkehren, wenn sie es schafft, ihre Theologie von Judenfeindschaft zu befreien“.

Seinem Einsatz ist es zu verdanken, dass heute Religionsbücher frei sind von Zerrbildern und Vorurteilen. Durch die rege Vermittlung an die Studierenden und Lehrenden der Dortmunder Universität hat er die jüngere Generation ständig mit den Zielen, Aktivitäten und Themen unserer Gesellschaft bekannt gemacht und u.a. Seminare zur Einführung ins Judentum gehalten.

Wir sind ihm sehr dankbar für die Repräsentanz unserer Gesellschaft auch bei öffentlichen Anlässen , u.a. hat er die Zentrale Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit im März 1981 in Dortmund maßgeblich mitgestaltet.

Öffentliche Erklärungen unserer Gesellschaft gegen Rassismus bzw. Antijudaismus, Ausländerfeindlichkeit und zum Frieden im Nahen Osten tragen seine Handschrift.


                                              10. März 2015
                        Der Vorstand und die Geschäftsführerin
  der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Dortmund e.V.



Montag, 9. März 2015

Nelson Mandela - der Mut, gegen den Rassismus aufzustehen (aktualisiert)

Mandela-Statue auf dem Parliaments Square
in London von Ian Walters
(aus Wikipedia) 



Nelson Mandela (geb. 18. Juli 1918 in Mvezo, Transkei  ---  gest. 5. Dezember 2013 in Johannesburg) ist sicher der bedeutendste Kämpfer gegen  Rassismus und Apartheid in Südafrika.
Die Erinnerung an ihn ist angesichts von zunehmenden Unterdrückungsmechanismen weltweit eine ständige Herausforderung, sich für den Frieden zwischen Völkern, Rassen, Nationen und Religionen einzusetzen.

Sieht man auf Mandela und auch eine Reihe weiterer  Weggefährten des großen Friedenskämpfers dann zeigt sich, dass dieser Kampf gegen die Apartheid von engagierten Menschen aller Religionen in Südafrika  mitgetragen wurde. Schon im Gefängnis fielen auch die Schranken zwischen den Religionen: Christen, Juden, Hindus, Buddhisten und andere beteten unter den Bedingungen der Haft miteinander für ein gerechtes und freies Südafrika.

Ich wusste ganz genau, dass der Unterdrücker ebenso wie der Unterdrückte befreit werden muss. Ein Mensch, der die Freiheit eines anderen Menschen beraubt, ist ebenfalls ein Gefangener hinter den Barrieren seiner Vorurteile und Engstirnigkeit.  Als ich die Türen des Gefängnisses durchschritt, war dies meine Mission: den Unterdrückten und den Unterdrücker zu befreien.
                                                                                                           Nelson Mandela




Sonntag, 1. März 2015

Der Engel der Kulturen in Israel und Palästina

Am Arabisch-Jüdischen Gemeinschftszentrum in Jaffa
Das interreligiöse Versöhnungs-projekt "Engel der Kulturen" hat inzwischen viele Städte erreicht. Dort wurde jeweils ein Zeichen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sowie für ein friedliches Zusam-menleben der Religionen und Kulturen gesetzt.
Inzwischen ist der ENGEL sogar in Israel und Palästina angekommen.
In Tel Aviv-Jaffa wurde am Arab-Jewish Community Center ein ENGEL als Kulturen-Ring aus Stahl in einem Durchmesser von 1,50 m an der Fassade angebracht. 


Der ENGEL hat seinen Platz gefunden

Es war nicht leicht, die Skulptur aus dem Cargo-Bereich des Flughafens Tel Aviv heraus zu bekommen ...! 
Diese besondere  Installation wurde unter Beteiligung von jungen BesucherInnen des Zentrums aller drei Glaubenstraditionen  in einer fröhlichen Zeremonie eingeweiht. 


Nun soll auch im Westjordanland eine große, deutliche Land-Art-Umsetzung verwirklicht werden. Den Künstlern ist es wichtig, sowohl in Israel wie in Palästina an einem öffentlich wahrnehmbaren Ort Zeichen zu setzen, nicht zuletzt um den ausgleichenden Anspruch des Projekts zu verdeutlichen. 

Der ENGEL als riesige Bodenskulptur wird auf dem Feld des Palästinensers Daoud Nassar realisiert, der dort ein Camp der Friedensinitiative Tent of Nations - Zelt der Völker ermöglicht. Mit vielen Freiwilligen wurde die Arbeiten begonnen und der ENGEL nimmt schon Konturen an. Der gesamte Umriss des Engels wird durch eine umgebende Steinmauer "definiert". Die im Inneren freien Flächen warten darauf, von BesucherInnen mit Steinen ausgelegt zu werden. Die Steine kann man schon von zu Hause mitbringen oder vor Ort sammeln. 

Um den Charakter von Ausgleich und symbolischen Brückenbau noch weiter bekannt zu machen, ist das ENGEL-Projekt in Zusammenhang mit dem Tent of Nations inzwischen bei der Inititiative World Interfaith Harmony Week eingereicht worden.
Mehr Informationen: hier




Modell des LandArt-Projekts in der Westbank
Konturen des Halbmonds

 Das Kreuz wird deutlich ...

Der Stern nimmt Form an ...

Matthew Fox - Vision einer weltumfassenden Schöpfungsspiritulität

Auch im deutschsprachigen Raum stand der ehemalige US-amerikanische Ordenspriester Matthew Fox (geb. 1940) gegen Ende des vorigen Jahrhunderts stärker im Blickpunkt. Mit seiner Vision vom kosmischen Christus im Horizont einer Religionen entgrenzenden Schöpfungsspiritualität faszinierte er mit seinen Reformgedanken viele nachdenkliche Gläubige. Sowohl die mystischen Traditionen des Westens wie des Ostens boten sich in ihrer "transkonfessionellen" Funktion als Brücke an.

Allerdings verlor Fox schon 1988 seine Lehrerlaubnis durch Joseph Kardinal Ratzinger, den späteren Papst Benedikt den XVI., der damals Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre war. 1993 musste er auch den Dominikanerorden verlassen. Ihm wurde vorgeworfen, mit seiner "Transformation des Christentums" und den Gedanken einer vertieften ökumenisch-humanistischen Spiritualität Abgrenzungen der religiösen Traditionen niederzureißen und "post-denominatiale" Glaubensweisen zu entwickeln. Immerhin arbeitet(e) er nicht nur mit der Göttinnen orientierten Starhawk und dem alternativ forschenden Biologen Rupert Sheldrake zusammen, sondern er experimentiert auch mit alternativen Gottesdienstformen und Ritualen im Sinne einer "kosmischen Messe". Hier werden ihm Elemente der modernen Medien, aber auch die indianischen Traditionen besonders wichtig.

Als Professor lehrte er anfangs am Holy Names College in Oakland (Kalifornien). Dort gründete er das sehr schnell in die Kritik geratene "Institute for Culture and Creation Spirituality". Darum  baute er 1996 mit Freunden in Oakland seine eigene Universität auf, die University of Creation Spirituality

2011 wurde er wieder einer größeren Öffentlichkeit bekannt, und zwar mit: Ratzinger und sein Kreuzzug (Uhlstädt-Kirchhasel: Arun 2011, Rezension: hier). Es ist eine Kritik an verkrusteten Strukturen der katholischen Kirche und "ein engagiertes Plädoyer für Schöpfungsspiritualität statt Dogmenmacht". 

Mehr zum Leben und Wirken auf der Homepage von Matthew Fox: hier

Möge Euer Traum der Tiefenökumene
wirklich werden!     
Frankfurt/M. 1993
Begegnungen mit Matthew Fox: Bericht und Buchbesprechungen
(Reinhard Kirste, in RIG 3/1994, S. 374-386)

Neben seinen vielen Veröffentlichungen haben diese Bücher sicher eine wesentliche Leitfunktion im Sinne einer "Tiefenökumene", die die menschliche Spiritualität weltweit umfasst und bestärkt:
  • Schöpfungsspiritualität.
    Heilung und Befreiung für die Erste Welt.
    Stuttgart: Kreuz 1993
    Original: Creation Spirituality.
    Liberating Gifts for the Peoples of the Earth, 1991
    --- Rezension: hier
  • Vision vom Kosmischen Christus. Aufbruch ins Dritte Jahrtausend.
    Stuttgart: Kreuz 1991. Original: The Coming of the Cosmic Christ. The Healing of Mother Earth and the Birth of a Global Renaissance (1988)
  • Geist und Kosmos. Der Weg der Verwandlung.
    Grafing: Aquamarin 1993
    Original: Sheer Joy. Conversations with Thomas Aquinas on Creation Spirituality.

  • Revolution der Arbeit. Damit alle sinnvoll leben und arbeiten können.
    München: Kösel 1996
    Original: The Reinvention of Work. A New Vision of Livelihood for Our Time (1994)
  • (zusammen mit Rupert Sheldrake): Engel – die kosmische Intelligenz.
    München: Kösel, München 1999 - Original: The Physics of Angels.
    Exploring the Realm. Where Science and Spirit Meet (1996)
  • One River, Many Wells. Wisdom Springing from Global Faiths.
    New York: Tarcher/Putnam 2000
  • (zusammen mit Rupert Sheldrake): Die Seele ist ein Feld. Der Dialog zwischen Wissenschaft und Spiritualität. Stuttgart: Scherz 2002
    Original:
    Natural Grace: Dialogues on Creation, Darkness, and the Souk in Spirituality and Science (1997)
  • A New Reformation: Creation Spirituality and the Transformation of Christianity.
    Rochester, Vermont (USA): Inner Traditions 2006
    (Aufruf zur Kirchenreform: die "95 Thesen" von M. Fox)
    --- Die "95 Thesen" englisch und deutsch: hier
    --- Weitere ausführliche Leseprobe: hier
  • Meister Eckhart: A Mystic-Warrior for Our Times.
    Novato (CA): New World Library 2014
    --- Meinungen über das Buch und ein Interview
    --- Rezension von Samuel Mahaffy