Sonntag, 30. Oktober 2016

Divali - indisches Lichter- und Neujahrsfest 2016

Der Gott Rama mit seinem Jagdbogen
Inderinnen und Inder aller Glaubens-schattierungen, also besonders Hindus, Sikhs und Jains,  feiern am
30. Oktober 2015  das Lichterfest Divali oder Deepavali. Es bedeutet den Sieg des Lichtes über die Finsternis. Dies geschieht zu Ehren der Göttin Lakshmi, der populären Göttin des Wohlstands und des Erfolges. 
Die Themen des Festes beziehen sich auf das berühmte  Epos Ramayana.
Der Gott Rama erlebt durch den Raum seiner Ehefrau viele Abenteuer. Schließlich wird die Rückkehr Sitas und die glückliche Wiedervereinigung erzählt.

Mit diesen Licht-Feiern beginnt ein neuer Zeitabschnitt, in Nord-Indien ist dies gleichzeitig der Beginn des Neuen Jahres. Das Fest dauert in der Regel mehrere Tage.

Die Freude angesichts der aufflammenden Lichter zeigen die Menschen auch dadurch, dass sie sich besondere Divali-Geschenke machen. Auch ist es üblich, Glückwunschkarten zu versenden.


Freitag, 28. Oktober 2016

Muslimische Solidarität für Christen: Die Ermordung eines Priesters und das Beispiel der Al-Azhar-Universität

Dorfkirche
von Saint Étienne de Rouvray

(wikipedia.fr)
„Karawane des Friedens“ 
verneigt sich vor 

27.10.2016 - Radio Vatikan

Wieder so eine Nachricht, die keine großen Schlagzeilen macht, obwohl sie wichtig ist: Eine Delegation der al-Azhar-Universität von Kairo ist in Frankreich. Sie hat dort am Mittwoch die Dorfkirche von Saint-Etienne du Rouvray besucht, in der IS-Terroristen im Sommer den Pfarrer Jacques Hamel umgebracht haben. Begleitet wurde sie von Bischof Lebrun von Rouen.

Die al-Azhar ist eine der wichtigsten Autoritäten im sunnitischen Islam, und sie bezeichnet ihre Aktion als „Karawane des Friedens“. Es gibt sie also, die muslimischen Verantwortlichen, die sich klar von Gewalt und Terrorismus distanzieren.
„Die al-Azhar-Universität hat schon ein paar Tage nach dem Mord an Pater Hamel Kontakt mit uns aufgenommen“, berichtet Vincent Feroldi; der Priester ist von seiten der Französischen Bischofskonferenz für die Beziehungen zu den Muslimen zuständig. „Die Dozenten der Universität waren sehr betroffen über das Drama, das sich abgespielt hatte, und wollten den Christen ihre Solidarität bezeugen, und zwar am Ort des Geschehens. Damit wollten sie unterstreichen, dass der Islam eine Religion des Friedens ist und sein soll, und dass das Geschehene überhaupt nicht in Einklang zu bringen ist mit dem, was der Islam aus ihrer Sicht ist.“

Besuch von der al-Azhar-Universität
Zu der Delegation aus Kairo gehören Dozenten der al-Azhar und Mitglieder des muslimischen „Rates der Weisen“. Eine erste „Karawane des Friedens“ hatte letztes Jahr Frankreich besucht, nach den Attentaten auf „Charlie Hebdo“ und den „Hyper Cacher“-Supermarkt. „Es hat auch schon eine solche Friedenskarawane nach Zentralafrika gegeben, nachdem dort 2015 blutige Gewalt zwischen Christen und Muslimen hochgekocht war. Die al-Azhar will sich radikal distanzieren von dieser Gewalt, mit der der Islam instrumentalisiert und entstellt wird.“
Nun mag ein Kritiker einwenden, dass die Haltung der Kairorer Lehrstätte durchaus nicht frei ist von Zweideutigkeiten; nicht immer war, nicht immer ist das Bekenntnis zu strikter Gewaltlosigkeit im Umgang mit Angehörigen anderer Religionen so deutlich. Doch es tut  gut, das friedliche Gesicht, das Ägyptens offizieller Islam nach außen zeigt, übrigens auch in den wieder anlaufenden Gesprächsbeziehungen zum Vatikan.

Eine Dynamik ausgelöst
„Es ist schön, zu sehen, dass die tragischen Ereignisse in der al-Azhar-Universität eine Dynamik auslösen. Die Friedens-Karawane wird in vielen Gesprächen vorbereitet und begleitet; in diesem Frühjahr konnte eine Übereinkunft zwischen al-Azhar und dem „Institut Catholique de Paris“ (der katholischen universitären Einrichtung der französischen Hauptstadt) unterzeichnet werden, darin wurde ein Austausch von Dozenten vereinbart, und dass Lehrkräfte beider Seiten zu Konferenzen und Kolloquien der jeweils anderen Universität eingeladen werden. Da bahnt sich eine Zusammenarbeit auf akademischem Niveau an.“
Der ägyptische Präsident al-Sisi, der sich vor allem auf der Sinai-Halbinsel mit islamistischen Terroristen auseinandersetzen muss, steht hinter dem neuen Kurs von al-Azhar, wenn er ihn nicht sogar mit ausgelöst hat. al-Sisi pocht auf eine gewaltfreie Interpretation von Koran und Hadith, er ermuntert die Kontakte al-Azhars zum Ausland. Die Universität fordert mittlerweile dazu auf, die heiligen Texte des Islam durch die Brille der Vernunft zu lesen. „Das ist wirklich interessant. Denn sobald man in diesem Bereich an die Vernunft appelliert, ordnet man die heiligen Texte einer bestimmten, spezifischen Epoche der Menschheit zu. Das macht sie heute interpretierbar, im Licht der Vernunft und der zeitgenössischen Kultur.“
(rv 27.10.2016 sk)

Montag, 24. Oktober 2016

Frankfurter Buchmesse 2016: Vielfältige Lese-Kulturen entdecken

Einladungsmotto der Gastregion: Flandern & Niederlande

Wie in jedem Jahr gehört die Frankfurter Buchmesse zu den Kulturen verbindenden Highlights.  
Diesmal standen mit Flandern und den Niederlanden unmittelbare Nachbarregionen als Ehrengast im Fokus.
Im umfassenden Veranstaltungsbuch hieß es dazu: 

Info-Stand: Flandern und die Niederlande



"Flandern, Niederlande und Deutschland teilen ein ganzes Meer. Zu dritt teilen wir auch einen ganzen Horizont ..." 









Im Pavillon des Ehrengastes:
Sie liest ihm laut vor

Der Sänger-Schriftsteller Herman van Veen
auf dem "Blauen Sofa"
 
Angesichts der Vielfältigkeit der Ereignisse und Veranstaltungen lohnt auch immer wieder ein Blick auf die interreligiösen Zusammenhänge.
Das ließ sich an den verschiedenen Verlagsständen deutscher und ausländischer Aussteller ablesen.


Migration und Zukunftsängste

Was heißt nachhaltig leben?
Luther, die Reformation und die Welt

Indiens Aufbrüche
Drehscheibe Singapur

Zur Internationalität der Buchmesse gehört neben den Verlagspräsentationen wie immer das Podium Weltempfang. Die Diskussionen fokussierten dieses Mal Europa im Kontext seiner weltweiten Zusammenhänge in Geschichte und Gegenwart.

Aber auch der neue Schwerpunkt "THE  ARTS", ein extra gestaltetes Areal innerhalb der Buchmesse bot viel Raum für z.T. ungewöhnliche Präsentationen und Möglichkeiten praktischer und digitaler Vernetzung.

Poetry Slam bei arte


Pioneer Talks - Weltentdeckungen



Orbanism Space, der digitale Treffpunkt
auf der Frankfurter Buchmesse


"Büchertürme"


Der LiBeraturpreis  bringt jedes Jahr die weltweite Vernetzung zur Sprache. Er würdigt literarische Werke von Frauen aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Hier wurde die  indonesische Schriftstellerin Laksmi Pamuntjak mit ihrem Roman Alle Farben Rot (Ullstein Verlag 2015) ausgezeichnet. Dieses Engagement ist Teil der nichtkommerziellen literarischen Agentur LITPROM.


Mit der Verleihung des diesjährigen Friedenspreises des deutschen Buchhandels am 23. Oktober an Carolin Emcke wurde zugleich ein Zeichen für eine weltoffene und politisch engagierte Literatur gesetzt.
In der Paulskirche sagte sie u.a.:



"Sie wollen uns einschüchtern, die Fanatiker, mit ihrem Hass und ihrer Gewalt, damit wir unsere Orientierung verlieren und unsere Sprache ... Sie beschädigen den öffentlichen Diskurs mit ihrem Aberglauben, ihren Verschwörungstheorien und dieser eigentümlichen Kombination aus Selbstmitleid und Brutalität. Sie verbreiten Angst und Schrecken und reduzieren den sozialen Raum, in dem wir uns begegnen und artikulieren können ...  In Wahrheit geht es gar nicht um Muslime oder Geflüchtete oder Frauen. 
Sie wollen alle einschüchtern, die sich einsetzen für die Freiheit des einzigartigen, abweichenden Individuellen. Deswegen müssen sich auch alle angesprochen fühlen ... Was wir tun können? ... Wir dürfen uns nicht wehrlos und sprachlos machen lassen. Wir können sprechen und handeln. Wir können die Verantwortung auf uns nehmen. Und das heißt: Wir können sprechend und handelnd eingreifen in diese sich zunehmend verrohende Welt. Dazu braucht es nur Vertrauen in das, was uns Menschen auszeichnet: die Begabung zum Anfangen. Wir können hinausgehen und etwas unterbrechen. Wir können neu geboren werden, indem wir uns einschalten in die Welt ..."

Die gesamte Dankesrede der Preisträgerin: hier






Ruhrtriiiennale 2016 - Gebetete Vielfalt - Urban Prayers (aktualisiert)

Schauspiel:  Uraufführung von 
Björn Bicker (Autor), Malte Jelden (Regisseur)
mit dem ChorWerk Ruhr

Gesamtprogramm der Ruhrtriennale: hier
noch bis 24. September 2016

Das Buch zum Schauspiel:
Björn Bicker: Was glaubt ihr denn ... 


Die einzelnen "Gebetsorte"

August 2016

















Was glaubt ihr denn. Wer wir sind. Was wir glauben. Was glaubt ihr denn. Wer wir sind. Wo wir wohnen. Was glaubt ihr denn, wo wir stören. Wo wir nicht stören. Was glaubt ihr denn.
Björn Bicker, URBAN PRAYERS RUHR

Aus einer ausgedehnten Recherche im religiösen Leben des Ruhrgebiets entsteht ein Stück. Woran glauben die Menschen in Essen, Duisburg, Bochum, Hamm oder Dortmund? Welche Sprache versteht ihr Gott? Welche Kirchen, Gebetsräume, Moscheen, Tempel besuchen sie? Glauben sie, dass ihr Glaube Privatsache ist? Glauben sie, dass ihr Glaube politisch ist? Glauben sie an die Freiheit der Anderen? Was denken die Gläubigen über ihre nichtgläubigen NachbarInnen und umgekehrt?
Es spricht der Chor der gläubigen BürgerInnen. Doch kaum fängt einer an zu reden, da fällt ihm der andere schon ins Wort. Der Chor findet keine gemeinsame Sprache und doch ist es ein Chor, der ein Gegenüber kennt: die Nicht-Gläubigen. Globalisierung, Migration und der gleichzeitige Verlust religiöser Bindungen haben aus unseren Städten Orte der religiösen und weltanschaulichen Vielheit gemacht. Muslime, Buddhisten, Hindus, Sikh, Juden sowie christliche Glaubensgemeinschaften aus der ganzen Welt – Pfingstler, Evangelikale, Katholiken, Protestanten und Orthodoxe – machen das Ruhrgebiet zur religiösen Megacity.


URBAN PRAYERS RUHR ist an sechs aufeinander folgenden Sonntagen in sechs verschiedenen Gotteshäusern im Ruhrgebiet zu Gast. Jede Gemeinde ergänzt mit einem eigenen kulturellen Beitrag die Aufführung durch fünf SchauspielerInnen und ChorWerk Ruhr. So treten in Hamm hinduistische Tempeltänzerinnen auf, im House of Solution singt der Lighthouse Family Choir Gospel, in Marxloh rezitiert der Imam Koran-Verse und es dreht sich ein Derwisch, in Dortmund tritt die serbische Volkstanzgruppe „Srbija" auf und in der Synagoge Kantor Tsah mit seinen Musikern und das Nodelman-Duo. Im Anschluss an alle Aufführungen gibt es bei typischen Speisen und Getränken die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich über das Erlebte auszutauschen. Bei kostenlosen Führungen durch die Gotteshäuser können die Besucher mehr über die Religion und das Gemeindeleben erfahren.
Die Veranstaltung in der Lutherkirche Lohberg am 04. September und das anschließende kleine Fest auf dem Marktplatz von Lohberg ist in Zusammenarbeit mit dem Christlich-Islamischen Dialog Dinslaken entstanden. Nachdem in der Lutherkirche Lohberg die „Protest-ants“ nach der Aufführung gespielt haben, gehen alle zum Marktplatz, um hier den Abend gemeinsam ausklingen zu lassen. Kostenlose Stadtteilführungen durch das schöne Lohberg mit seinen drei Moscheen und zwei Kirchen sind hier Teil des Programms.

Bringen Sie Zeit mit! Bleiben Sie nach den Aufführungen! Nutzen Sie diese schöne Gelegenheit, das Ruhrgebiet mit seiner (religiösen) Vielheit so zu erleben wie Sie es bislang vermutlich nicht kannten.



Von Björn Bicker, dem Autor des Stücks "URBAN PRAYERS RUHR", ist im Frühjahr 2016 im Verlag Antje Kunstmann das Buch zum Theaterprojekt mit dem Titel "Was glaubt ihr denn. Urban Prayers" erschienen.



Freitag, 21. Oktober 2016

Sigmund Sternberg (21.06.1921 - 18.10.2016): Unermüdlicher Promotor interreligiöser Verständigung

Einer der Promotoren des interreligiösen Dialogs, Sir Sigmund Sternberg, starb am 18. Oktober 2016 im Alter von 95 Jahren. Neben vielen Ehrungen erhielt er 1998 den renommierten Templeton Preis. 
Hier der Bericht aus: European Jewish Congress (20.10.2016)




Interfaith innovator Sigmund Sternberg passes away        
Interfaith innovator Sigmund Sternberg passes away

But it is probably his work in improving strained relations between the Jewish community and the Catholic Church that he will be most remembered for around the globe. He played a central role in efforts to remove a Carmelite convent established at Auschwitz and in the very first visit by a Pope to a synagogue – by Pope John Paul II – that has become a regular feature of subsequent papacies.
Sir Sigmund – who fled Nazi-occupied Europe to the UK in 1939 – made his money in the metals industry before focusing on his interfaith and other charitable work in later life.
Rabbi Laura Janner-Klausner, the UK’s Senior Rabbi to Reform Judaism said: “The entire Reform Jewish community of the United Kingdom mourns on the sad news of the death of Sir Sigmund Sternberg KC*SG. Sir Sigmund’s contribution to Reform Judaism was transformational. He dedicated a great part of his life to serving the Jewish community and the vital cause of dialogue and interfaith relations around the world. We are grateful for his enormous generosity and inspirational leadership. May his memory be a blessing”.
Board of Deputies president Jonathan Arkush said: “Sir Sigmund Sternberg was one of our community’s most tireless workers and generous benefactors. His association with the Board of Deputies went back many years and his support has been invaluable. His work in for the Council of Christians and Jews and later the Three Faiths Forum energised interfaith activity in the UK while the Sternberg Centre for Judaism that he established will stand as a lasting legacy to his vision. His energy, enthusiasm, talent for organisation and massive charitable efforts will be sorely missed.”
Sternberg was awarded a knighthood by the Queen in 1976 and became a papal knight nine years later – the very first to receive the accolade and one of around half a dozen in total. He was also a recipient of the Templeton Prize.

Click here to read the full article in Jewish News


PILGRIM-Schulen - Lernen in globaler Verantwortung (aktualisiert)

Im Jahr 2004 wurde der 
INTR°A-Projektpreis für Komplementarität der Religionen
u.a. an das Projekt der PILGRIM-Schulen in Österreich vergeben. 


Hier handelt es sich um eine breit aufgestellte internationale Initiative, in die der Verein der Freunde der PILGRIM-Schule und die Kirchliche Pädagogische Hochschule in Wien eingebunden sind. Den Beteiligten geht es sowohl um eine interkulturell und interreligiös offene Haltung als auch um eine kontinuierliche Verbindung zur "Basis".

In dieser Weise setzt sich der Verein für Spiritualität und Nachhaltigkeit  im schulischen Umfeld ein. 
2012 waren es noch 129 zertifizierte Schulen, einschließlich einer Universität in Taiwan sowie 6 Pädagogische Hochschulen und 4 Bildungshäuser. Die weitere Entwicklung ging erstaunlich schnell weiter. Sie zeigt auch wie stark der Religionsunterricht in die ausgezeichneten Projekte eingebunden ist.


PILGRIM-SCHULEN (Stand 1. Juni 2016)



Detaillierte und weiter ausgeführte Statistik: hier


Einer der maßgeblichen Initiatoren ist Dr. Johannes Hisch, der auch als INTR°A-Mitglied dem interreligiösen Dialog besonders verbunden ist.

Mit PILGRIM hat sich offensichtlich ein langfristiges interreligiöses, interkulturelles und von ökologischer Spiritualität gekennzeichnetes Engagement etabliert. Wichtig sind hier besonders die kontinuierlichen Basis-Kontakte. 
Die Erfahrungen und Fortschritte lassen sich sehr schön im
Archiv der PILGRIM- Newsletter verfolgen. Es ist wie eine Chronik angelegt.




Friedensdialog - Das neue Soka-Gakkai-Kulturzentrum für Europa in Mörfelden-Walldorf (aktualisiert)

Europa-FRIEDENSKULTUR-Zentrum
Die große buddhistische Laienorganisation Soka Gakkai ( = "die Werte schaffende Gesellschaft") hat ihre Wurzeln in Japan. Die Mitglie-derzahl liegt weltweit bei etwa 12 Millionen. Aber auch in Europa wächst die Anhänger-schaft - in Deutschland gehören etwa 7000 Menschen dazu. Theologisch ist Soka Gakkai von Nichiren Daishonin (1222-1282), einem Mönch und buddhistischen Reformer, geprägt. In der schon lange existierenden Richtung Nichiren Soshu führte die Spannung zwischen Priestern und Laien zur Abspaltung der Laien, die sich unter Daisaku Ikeda neu organisierten.
Das erbrachte eine größere dialogische Offenheit. So liegt dieser japanisch-buddhistishen Richtung besonders daran, Brücken geistiger, kultureller und spiritueller Verständigung aufzubauen. Dem dient auch das neue Kulturzentrum: Frankfurt Ikeda Peace Culture Centre in Mörfelden-Walldorf, südlich des Frankfurter Flughafens. 
Vgl. bereits den Bericht vom Richtfest (Frankfurter Neue Presse, 19.11.2014)

In einer großen Eröffnungsfeier wurde das Haus am 10. Oktober 2015 der Öffentlichkeit übergeben. Details zum Gebäude: hier
Neben den beeindruckenden kulturellen Darbietungen und  dem Engagement der vielen Ehrenamtlichen bildete ein spirituelles Element den Mittelpunkt.

Die Besonderheit der Soka Gakkai Praxis besteht nämlich in der täglichen Rezitation des Mantras: Nam Myoho Renge Kyo. Man kann es vielleicht so übersetzen: „Ich widme mich der wundervollen Lehre des Lotos-Sutra.“ 

Nam: Sich mit seinem ganzen Leben widmen.

Myo: Das Mystische, Verborgene, Unfassbare, der Tod, auch: Vollkommen ausgestattet sein, öffnen, wiederbeleben; bezieht sich auf die jedem Menschen innewohnenden Buddhaschaft.

Ho: Das Manifeste, Sichtbare, Fassbare, das Leben, steht auch für grundlegende Dunkelheit, Verwirrung, Unwissenheit. In der Verbindung mit:

Myoho: Universelles Lebensgesetz, Leben und Tod umfassend.

Renge: Lotos-Blume. Sie symbolisiert das Prinzip der Gleichzeitigkeit von Ursache und Wirkung.

Kyo: Schwingung und Klang des Universums, symbolisiert die ewig gültige Lehre und steht auch für das Lotos-Sutra.

Das Lotos-Sutra Schrift entstand zwischen 100 v. Chr. und 200 n. Chr. Es ist gewissermaßen die "Bibel" des Mahayana Buddhismus.
Neben dem längeren Chanten des genannten Mantra wurden bei der Fest-Meditation noch zwei Texte aus dem Lotus-Sutra rezitiert.
Es sind Ausschnitte aus den Kapiteln
2: "Geschicktes Verhalten" und
16: "Offenbarung des ewigen Lebens durch den zur Vollendung gelangten Buddha".
Hier geht es um Aussagen über die Würde und die Ewigkeit des Lebens. Die Besinnung darauf zeigt an, dass das Leben letztlich in einem großen Gesamtzusammenhang ohne Anfang und Ende steht. Der intensive Mantra-"Gesang" dauerte etwa 15 Minuten. 

Die musikalischen und tänzerischen Darbietungen aus der SGI-"Community" sowohl wie die verschiedenen Grußworte von Politikern und (internationalen) Vertretern machten deutlich, dass die regionale Einbindung des Kulturzentrums und die überregionale Ausstrahlung für gegenseitiges Verstehen und friedliches Miteinander entscheidend sein sollen.
Dieses Kulturzentrum bezieht darum in seine Aktivitäten bewusst auch ein dunkles Geschichtskapitel mit ein. Ganz in der Nähe liegt die Gedenkstätte mit  Überresten eines KZ-Außenlagers für den "Fliegerhorst Frankfurt". Bei der Eröffnung des Ikeda-Friedenszentrums fand hier eine Meditation für den Frieden statt.


Hauptschrein im großen Saal



Chormitglieder vor dem Schrein




Gefäß
für das tägliche Wasserritual


Gartenseite des Kulturzentrums




Gespräche und Anregungen für Weiteres ...






Sonntag, 16. Oktober 2016

Jüdisches Neujahrsfest (Rosch haSchanah) - Versöhnungstag (Jom Kippur) - SUKKOTH / Laubhüttenfest - Simchat Tora - 2016

Jüdisches Museum Wittlich - Toraschmuck
Mit dem jüdischen Neujahrsfest
Rosch ha-Schana (Rosh ha-Shanah)
am 3.-4. Oktober 2016
beginnt nach jüdischer Jahreszählung das Jahr 5777

Es ist der symbolische Beginn mit der Erschaffung des Menschen.
Gern schickt man sich auch herzliche Glückwünsche mit entsprechend gestalteten Grußkarten.

Hagalil.com zu Rosch ha-Schana 2016


Mit dem Neujahrstag wird eine Reihe hoher Festtage eingeleitet.
Sie beinhalten große Freude und tiefe Besinnung zugleich:
--- Umfassendes Material auf der Internetplattform hagalil.com


Übersicht zu den Festen der Religionen mit Erklärungen: hier 

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GRUSSWORT

Allen unseren jüdischen Freundinnen und Freunden
wünschen wir

EIN GLÜCKLICHES NEUES JAHR 5777
שנה טובה ומתוקה

Es ist nicht leicht, in diesem Tagen unbeschwert zu feiern,
aber die kommende Festzeit nimmt 
diese Unterschiedlichkeit schon auf.
Sie beinhaltet die Erfahrungen
von tiefer Trauer und großer Freude gleichermaßen.
Mögen Sie darum diese tief bewegende Hoch-Zeit besonders erleben:
 -
Jom Kippur, Sukkot und Simchat Tora -


Wir denken in diesen Tagen besonders an Sie alle !
Der Segen Gottes
möge Ihren Alltag erhellen.






In christlich-jüdischer Verbundenheit grüßen wir Sie herzlich
- auch im Namen des Vorstandes -
der Interreligiösen Arbeitsstelle (INTR°A)

Karin und Reinhard Kirste

INTR°A-Webseite
http://web-intra.blogspot.de

 



Samstag, 15. Oktober 2016

Sufismus heute - das Beispiel des Alawiyya-Ordens (aktualisiert)

Während überall im Lande die Negativschlagzeilen über den Islam die Runde machen, wird allzuleicht übersehen, wie viele Muslime sich um ein friedfertiges gesellschaftliches Zusammenleben bemühen. Besonders der Sufismus mit seiner innigen Spiritualität zeichnet dieses Bild eines dialogisch offenen Islam. Eine erstaunliche Rolle spielt die überwiegend in Algerien und Frankreich beheimatete Sufi-Gemeinschaft der Alawiyya (Association Internationale Soufie Alawiyya – AISA), die auch einen Zweig in der Schweiz und in Deutschland haben.
Der geistliche Führer dieser Gemeinschaft, Cheikh Khaled Bentounes, betont immer wieder die Notwendigkeit des Dialogs von Menschen verschiedener Religionen und Weltanschauungen, um gemeinsam dem Frieden in oft zerrissenen Gesellschaften näher zu kommen.
Die spannende Geschichte der Alawiyya-Gemeinschaft beginnt mit der Gründung durch den Urgroßvater Cheikh Ahmed al-Alawi (1869-1934) im kolonialen Algerien:

Vgl. dazu das Buch von Martin Lings: Ein Sufi-Heiliger ds 20. Jahrhunderts.
Scheich Ahmad Al 'Alawi. Sein geistiges Erbe und Vermächtnis
.
Kandern: Spohr 2008


Geschichtlicher Überblick zum Alawiyya-Orden von den Anfängen bis zur Gegenwart: hier

Die Geschichte von den Anfängen des Ordens bis hin zur Unabhängigkeit von Frankreich und die Erneuerung der Sufi-Gemeinschaft durch den jetzigen Scheich erzählt das Buch (nur in Französisch):

Histoire d’une confrérie soufie. Paris: A. Michel 2009
--- Die Brüderlichkeit im Erbe.
Geschichte einer Sufi-Bruderschaft  ---
Rezension: hier


Beispiele bisheriger Begegnungen :

Weitere Literaturhinweise :
  • Cheikh Khaled Bentounès avec la collaboration de Bruno et Romana Solt: Le soufisme coeur de l'islam. Les valeurs universelles de la mystique islamiste. Suivi d'extraits du Diwan du Cheikh Ben Mustapha al-Alawi. Paris: La Table Ronde 1996
  • Cheikh Khaled Bentounès avec Bruno et Romana Solt: L'Homme intérieur à la lumière du Coran.
    Spiritualités vivantes. Patis: Albin Michel 1998
  • Arnaud Desjardins / Philippe Haddad / Cheikh Bentounès / Peter Fener:
    La transmission spirituelle. Cahors (F): Le Relié 2003
  • Cheikh Khaled Bentounès: Vivre l'islam. Le soufisme aujord'hui.
    Espaces libres. Paris: Albin Michel 2003
  • Cheikh Khaled Bentounès: Thérapie de l'âme espaces libres. Paris: Albin Michel 2011