Samstag, 30. Dezember 2017

Farid Esack - Dialog der Geichwertigen in der Spannung von Unterdrückung, Armut und Gerechtigkleit (aktualisiert)

Der islamische Theologe Farid Esack (geb. 1959 in Wynberg, Südafrika) gehört zu den Promotoren für ein von Apartheid freies und versöhnend miteinander lebendes multikulturelles Südafrika.
1994-1998 war er Gleichstellungsbeauftragter in der Regierung Mandelas. Inzwischen ist er Professor für Religionswissenschaft an der Universität Johannesburg. Er ist einer der progressivsten Denker und Koranausleger überhaupt. Mit ihm hat sich eine eigenständige befreiungstheologische Lesart des Korans entwickelt. Diese verbindet sich mit einer dialogischen Offenheit für Menschen aller religiösen Traditionen.


Vgl. dazu den Beitrag:
Eine befreiungstheologische islamische Hermeneutik - Farid Esack


Das zeigen weiterhin zwei seiner Bücher, die übrigens bereits im Rahmen eines Seminars an der TU Dortmund (WiSe 2008/2009) vorgestellt wurden und erheblichen Eindruck hinterließen: 


--- Qur’an, Liberation & Pluralism (1997 u.ö.)
--- On Being a Muslim (1999 u.ö.)


Bereits 1994 berichtete Esack über seine Befreiungserfahrungen, auch im sich verändernden Südafrika:

Wem sollen wir Zugang zu unseren Wasserstellen gestatten?
Gesellschaftliche, religiöse und politische Dimensionen des Vorurteils

Bei einer Konferenz in Frankfurt/M. (Oktober 2010) zeigten
Hasan Hanafi und Farid Esack
dass Werte und Normen des Islam
nur im Sinne verantwortlichen Menschseins vor Gott verstanden werden können.



Auf einer Tagung des Theologischen Forums Christentum-Islam in Stuttgart zum Thema Armut und Gerechtigkeit (6.-8. März 2015) betonte er besonders, dass es nicht nur darum gehe, angesichts körperlicher und seelischer Not von Menschen Barmherzigkeit zu üben, sondern bewusst den Ursachen solcher Ungerechtigkeit und Unterdrückung nachzugehen, und zwar mit dem Ziel, die skandalösen Ursachen  zu beseitigen.

Die Texte Esacks sind durchweg von klarer Stellungnahme gegen Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Armut geprägt, aber nicht im Sinne abgrenzender Polemik, sondern mit der Zielrichtung versöhnender Aktualität und Dialogbereitschaft. Es ist wichtig, sich dieser Herausforderungen  nicht nur in einem multikulturellen und multireligiösen Südafrika zu erinnern, sondern die jeweils eigene gesellschaftliche Situation unter diesen Gesichtspunkten zu befragen.

Deshalb gilt auch:
Farid Esack - liberaler islamischer Theologe, engagiert für Menschenrechte
 - mehr als nur ein "Israelkritiker" (Qantara.de, 01.03.2017) 

 

Mittwoch, 20. Dezember 2017

Chanukka 5778 - Lichterfest des Judentums 2017

In diesem Jahr 2017 liegt Chanukka (Chanukkah), das
achttägige Lichtfest des Judentums, parallel zum christlichen Adventszeit:
Chanukka wird  vom 13. Dezember bis
20. Dezember 2017 gefeiert,
nach dem jüdischen Kalender: Kislev/Teweth 5778.

Der Festrhythmus erinnert an den erfolgreichen Makkabäeraufstand im 2. Jahrhundert v. Chr. gegen
Antiochus IV. Epiphanes, der im Jerusalemer Tempel ein Götterbild aufgestellt hatte (weitere Infos hier).
Zur Reinigung des Tempels fand sich nur noch eine geringe Menge koscheren Öls,
die jedoch acht Tage reichte, ohne dass das Licht ausging.
Einer der Festriten besteht nun darin, mit der Hilfe eines "Dieners" jeden Tag ein neues Licht anzuzünden, bis alle acht Kerzen leuchten. 

Der historische Hintergrund bietet genug Anlass zur Fröhlichkeit, so dass sich Chanukka durch ein entsprechendes Brauchtum auszeichnet.
Dazu gehört auch das sog. Dreidl-Spiel. Außerdem wird spezielles Öl-Gebäck in den Familien verspeist .
Es gibt dafür auch Bestellmöglichkeiten über das Internet.




Johann Hinrich Wichern soll durch das Chanukka-Fest zum Aufstellen des Adventskranzes mit den Adventslichtern angeregt worden sein. 
 
Chanukka-Feier am Phoenix-See Dortmund, 2017







Dienstag, 5. Dezember 2017

Der furchtbare Krieg in Syrien seit 2011 ---- Die Folge: Millionen Flüchtlinge (aktualisiert !)

Ethnisch-religiöse Situation in Syrien
Quelle: Syria Ethno-religious compositionby Institute
for the Study of War - aus: http://commons.wikimedia.org




Der Arabische Frühling hatte auch in Syrien Hoffnungen aufkeimen lassen. Aber nun schon mehrere Jahre ist brutale Gewalt zum Alltag im Lande geworden. Unermessliches Leid trifft die Bevölkerung. Millionen sind innerhalb des Landes auf der Flucht oder sind in die Nachbarländer geflohen. Besonders der Libanon, Jordanien und die Türkei tun schier Unmögliches zur Aufnahme der Flüchtlinge.

 
Dramatische Zahlen (2017) 
  • Libanon: 450.000 Flüchtlinge aus Palästina und dem Irak, 2 Millionen registrierte Flüchtlinge aus Syrien seit 2011  - Einwohnerzahl: 4,5 Millionen
  • Jordanien:  ca. 1 Million Füchtlinge - Einwohnerzahl: 9 Millionen
  • Türkei: ca. 2,7 Millionen Flüchtlinge - Einwohnerzahl: 80 Millionen
Maronitische St. Elias-Kirche
in Aleppo (2007 !) - aus Wikipedia
Religiöse und ethnische Minderheiten sind am meisten betroffen und drohen in diesem Krieg völlig zerrieben zu werden.



Weitere Informationen


--- Die gefährdete Zukunft der Armenier
     in Syrien und in der Levante
(NZZ 14.04.2014)

--- Berichte mit einer Chronologie des Bürgerkriegs in Syrien
                                   (fr-online vom 28.08.2013 mit Bildergalerie)

--- Das Drama um Maaula und das Thekla-Kloster (La Vie, 11.03.2014)

--- Die dunkle Seite der Assad-Beraterin Bouthaina Shaaban
    
(The Star, Toronto, 31.01.14)

--- Aufruf von Papst Franziskus zu einem Gebetstag für Syrien (07.09.13)



Der gewaltlose Widerstand der Frauen
--- Voices of Syrian women in civil resistance

(Nada Alwadi in Open Democracy vom 27.09.2013)


Hintergrundinformationen